Pädagogisches Konzept

Kindertagspflege „Bienchenbande“
Izabela Sladek
Max-Reger-Str. 14
50169 Kerpen

qualifiziert durch

Freies Bildungswerk Rheinland
Berufliche Qualifizierung für Tagesmütter/-väter mit waldorfpädagogischem Schwerpunkt
Luxemburger Str. 190
50937 Köln

Inhaltsverzeichnis

1. Eigene Haltung
2. Bild vom Kind
3. Kindeswohl
4. Raumgestaltung
5. Grundsätze der Bildung und Förderung
6. Sprachförderung
7. Dokumentation
8. Zusammenarbeit mit den Eltern
9. Partizipation von Kindern
10. Tagesablauf

1. Über mich

Ich heiße Izabela Sladek, bin 35 Jahre alt, verheiratet und habe zwei Söhne und eine Tochter im Alter von dreizehn und vünf Jahren und einem Baby.
Bevor ich mich für die Qualifizierung zur Kindertagespflegemutter entschieden habe, habe ich eine Ausbildung zur Fachkosmetikerin an der AfK Aachen absolviert. Im Anschluss daran habe ich am Institut für Sport und Technologie einen Lehrgang zur Wellness- und Spamanagerin belegt.
Nach Philipps Geburt habe ich ihn zwei Jahre zu Hause betreut. Mit Beginn des letzten Jahres startete ich den Versuch, einen Wiedereinstieg ins Berufsleben zu bewältigen. Die Folge war, dass Philipp selber zu einer Kindertagesmutter gebracht werden musste. Aus diesem Grund kann ich Sorgen und Ängste von Eltern sehr gut einschätzen, vor allem dann, wenn die Kleinen bei der morgendlichen Übergabe weinen. Da sich das Arbeitsverhältnis als nicht kompatibel zum Familienleben erwiesen hat, stellte sich mir erneut die Frage, welche berufliche Richtung ich einschlagen möchte. Es folgten zahlreiche Gespräche mit der Kindertagesmutter von Philipp. Ich hospitierte mehrere Tage und wusste für mich, dass Kindertagespflege der Beruf ist den ich künftig ausüben möchte. Der Umgang mit kleinen Kindern hat mir schon früher große Freude bereitet und heute muss ich sagen, dass die Begleitung der Entwicklung der Kinder ein Höchstmaß an beruflicher Zufriedenheit schafft, welche mir kein anderer Beruf bringen könnte.

2. Eigene Haltung

„Wer sagt, es gibt keine Wunder auf dieser Erde, hat noch nie die Geburt eines Kindes erlebt. Wer sagt, Reichtum ist alles, hat noch nie ein Kind lächeln gesehen. Wer sagt, diese Welt sei nicht mehr zu retten, hat vergessen, dass Kinder Hoffnung bedeuten.“ (Reinhard Becker)
Jedes Kind entwickelt sich individuell. Im Rahmen der Kindertagespflege wird dieser individuellen Entwicklung der notwendige Platz eingeräumt. Meiner Auffassung nach brauchen Kinder einen sicheren und geschützten Raum, in dem sie gewaltfrei ihre Erfahrungen machen und die „Welt“ entdecken können. Da jedes Spielen auch dem Lernen und Entdecken dient, es somit speziell für Kinder nicht möglich ist nicht zu lernen, möchte ich diesen Prozess aktiv durch spielerische und kreative Methoden unterstützen. Hierbei ist vor allem der Wiedererkennungswert für die Kinder wichtig, weshalb eine regelmäßige Anwesenheit in der Kindertagespflege notwendig ist. Besonders bedeutsam ist mir die positive Sichtweise auf ein Kind, d.h. diejenigen Aspekte in den Vordergrund zu rücken, die es schon beherrscht und nicht permanent gesellschaftlich normierte Standards einzufordern, welche es in der individuellen Entwicklung vielleicht noch nicht beherrscht. Es geht somit immer um das Stärken des Selbstvertrauens des Kindes, damit es den nächsten Schritt in seiner Entwicklung gehen kann.
Der Besuch der Kindertagespflege bedeutet für die Familien einen großen Einschnitt. Mindestens 25 Stunden in der Woche verbringt das Kind bei einer (zunächst) fremden Person. Meiner Auffassung nach ist nur dann eine pädagogisch erfolgreiche Begleitung bei der Entwicklung des Kindes möglich, wenn zwischen allen beteiligten (Kind, Eltern und Tagesmutter) eine vertrauensvolle, offene und ehrliche Beziehung besteht. Die Familie bleibt der wichtigste Lern- und Bildungsort, wird aber durch die Kindertagespflege ergänzt. Um dem Anspruch auf Bildung und Förderung der Persönlichkeit des Kindes gerecht zu werden ist ein regelmäßiger Austausch mit den Erziehungsberechtigten von besonderer Bedeutung.
3. Bild vom Kind und Kindeswohl
Kinder sind kleine Forscher, die die Welt um sich jeden Tag entdecken. Hierbei sind es gerade Kleinigkeiten, die Kinder an ihrer Umwelt so faszinierend finden. Dinge, die Erwachsene oft nicht mehr wahrnehmen. Kinder gehen unvoreingenommen an jede neue Erfahrung heran, sie kennen keine Vorurteile und genießen den Moment. Dabei konstruieren sich die Kinder ihre Welt aus den Erfahrungen, die sie in ihrem Umfeld bisher sammeln konnten. Um sich in der eigenen konstruierten Welt zurecht zu finden, bedarf es aber eines geschützten Raumes sowie klarer Regeln. Gerade in einem Raum, wo mehrere Kinder ihre Erfahrungen sammeln gilt es auf der einen Seite, die Würde des Kindes und sein Recht auf freie Entwicklung der Persönlichkeit zu schützen und zu fördern, auf der anderen Seite jedoch kein Kind zu bevorzugen. Das Erlernen von Regeln und Ritualen fördert die Sozialkompetenz der Kinder. Jedes Kind soll sich frei und ohne Sorge vor physischer oder psychischer Gewalt bewegen und entwickeln dürfen. Unabhängig von Hautfarbe, Religion oder Herkunft wird allen Kindern die gleiche Förderung zur Entwicklung der eigenen Persönlichkeit gewährt.

4. Raumgestaltung
Die „Bienchenbande“ befindet sich in der Max-Reger-Str. 14 in 50169 Kerpen-Horrem. Unser Mietshaus befindet sich in einer Spielstraße in einem Neubauwohngebiet oberhalb des Bahnhofs Horrem (ca. zehn Minuten fußläufig). Gegenüber des Hauses befindet sich ein Kinderspielplatz, der bei entsprechendem Wetter auch rege genutzt wird.
Die Wohnfläche des gesamtem Hauses beträgt 177 qm, die sich auf drei Etagen verteilen. Für die „Bienchenbande“ wird der komplette Erdgeschossbereich genutzt, der 77 qm umfasst. Vor allem der große Spiel- mit integriertem Essbereich bietet den Kindern viele Möglichkeiten zur persönlichen Entfaltung. Integriert in diesen Bereich ist auch eine offene Küche, wobei alle Küchenelemente durch Klemmen gesichert sind. Zum Kochen wird auf die Herdplatten verzichtet. Alle Kochvorgänge werden durch den Thermomix von Vorwerk durchgeführt und dienen somit der Sicherheit der Kinder.
Im Schlafraum erhält jedes Kind sein eigenes Bett sowie seine eigene Schublade. In der Schublade werden Wechselsachen verstaut. Für das Bett wird die Bettwäsche und ein Kuscheltier von den Eltern mitgebracht. Der Geruch des Vertrauten gibt Kindern besser die Möglichkeit, auch in einer fremden Umgebung gut einzuschlafen. Neben den Kinderbetten steht auch noch ein „Jugendlichenbett“ im Schlafraum. Hier besteht die Möglichkeit des gemeinsamen Kuschelns oder des Vorlesens von Geschichten oder Märchen.
Das Badezimmer dient neben der Waschmöglichkeit auch als Wickelraum. Sollte es notwendig sein, kann das Kind im Waschraum auch kurz abgeduscht werden. Jedes Kind hat seinen eigenen Haken mit seinem eigenen Handtuch und seiner eigenen Wickelunterlage, die regelmäßig gewechselt wird. Aus hygienischen und zeitlichen Aspekten wird auf das Putzen der Zähne verzichtet.
Bei der farblichen Gestaltung der Räumlichkeiten wurde Wert auf helle Akzente gelegt. Die bodentiefen Fenster bieten zudem genügend Möglichkeiten für natürlichen Lichteinfall. Das Gebäude ist als Passivhaus konzipiert, so dass die Wärme über eine Bodenheizung abgegeben wird. Störende und gefährliche Heizkörper gibt es in den Räumlichkeiten nicht. Hinter dem Haus gibt es aktuell keine Spielmöglichkeit, jedoch wird sich dies im Jahr 2016 ändern. Durch den gegenüberliegenden Spielplatz wird dieser Nachteil jedoch wieder ausgeglichen.

5. Grundsätze der Bildung sowie Förderung/Sprachförderung

Innerhalb der Kindertagespflege wird das Bildungsangebot für frühkindliche Förderung an den Richtlinien des „Kinderbildungsgesetzes“ (KiBiZ) angelehnt. „Die Kindertageseinrichtungen und die Kindertagespflege gestalten ihre Bildungsangebote so, dass die individuellen Belange und die unterschiedlichen Lebenslagen der Kinder und ihrer Familien Berücksichtigung finden. Die Bildungsgelegenheiten sind so zu gestalten, dass die Kinder neben Wissen und Kompetenzen auch Bereitschaften und Einstellungen (weiter-) entwickeln.“ Bezugnehmend auf die Erfahrungen des Kindes in seinem Umfeld, seinen individuellen Fähigkeiten und seinem Alter, werden Spielsachen, Puzzle, Bücher, Höhr-CDs und ähnliche lernfördernde Elemente den Kindern zur Verfügung gestellt. Hierbei ist wichtig, dass entsprechend des waldorfpädagogischen Ansatzes das Kind in keinem Moment unter Zwang etwas spielen muss. Die Bildung des Kindes erfolgt über seine Neugier und ausprobieren (Nachahmung) von Dingen. Es werden sowohl die motorischen als auch die kognitiven Fähigkeiten weiterentwickelt, wobei Erfolgserlebnisse zur Entwicklung der eigenen Persönlichkeitsstruktur beitragen. Die Aufgabe der Kindertagespflege liegt in diesen Momenten bei der Begleitung dieser Prozesse, gerade um dem Kind zu diesem Erfolgserlebnis zu verhelfen.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Sprachförderung. Da Kinder ihre Muttersprache nicht erlernen, sondern diese durch ihr Umfeld erwerben, ist auch hier die Entwicklung individuell. Aus diesem Grund wird während der Tagespflege auf „Kindersprache“ verzichtet. Ein wichtiges Element bei der Förderung von Sprache ist die Verwendung von Musik, da gerade Liedtexte für Kinder einen hohen Wiedererkennungswert besitzen. „Die Mehrsprachigkeit von Kindern ist anzuerkennen und zu fördern. Sie kann auch durch die Förderung in bilingualen Kindertageseinrichtungen oder bilingualer Kindertagespflege unterstützt werden.“ Neben der Förderung der deutschen Sprache ist in der „Bienchenbande“ auch eine Förderung in polnischer Sprache möglich. Dies bedarf jedoch einer Absprache mit klarer „Sprachzuteilung“ zwischen Tagespflegeperson und Eltern.
Ein weiteres Ziel in der Tagespflege ist das Erlernen des Essens mit Gabel und Löffel. Hier lernen Kinder von Kindern. Gerade die Kinder, die noch mit den Fingern essen, schauen sich das Verhalten bei anderen Kindern ab, werden neugierig und beginnen ebenfalls mit Löffel und Gabel zu essen.

6. Dokumentation

„Grundlage der Erfüllung des Bildungs- und Erziehungsauftrages, insbesondere der individuellen stärkenorientierten ganzheitlichen Förderung eines jeden Kindes ist eine regelmäßige alltagsorientierte wahrnehmende Beobachtung des Kindes. […] Die Beobachtung und Auswertung mündet in die regelmäßige Dokumentation des Entwicklungs- und Bildungsprozesses des Kindes.
Während des kompletten Tagesablaufs werden die Kinder in ihrem Verhalten im Allgemeinem und ihrem Umgang miteinander im Speziellen beobachtet. Diese Beobachtungen beginnen bei der Abgabe des Kindes durch die Eltern. Gerade Besonderheiten im Verhalten werden täglich dokumentiert. Neben der Verhaltensdokumentation wird grundsätzlich die Anwesenheit des Kindes sowie das Essverhalten, das Schlafverhalten und Besonderheiten bei Stuhlgang sowie körperlichen Versehrtheiten (Beulen, Schürfwunden, wunder Po etc.) schriftlich erfasst. Die Eltern erhalten alle relevanten Informationen des Tagesverlaufs bei der Abholung des Kindes mitgeteilt. Gesonderte Elterngespräche werden nach der Eingewöhnungszeit sowie einmal pro Quartal durchgeführt. In diesem Rahmen werden die Eltern nochmals ausführlich über die Beobachtungen mit dem Schwerpunkt der Entwicklung des Verhaltens informiert.

7. Zusammenarbeit mit den Eltern

Eine erfolgreiche Betreuung des Kindes durch die Kindertagespflege kann nur dann gewährleistet werden, wenn ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen der Tagespflegeperson und den Eltern besteht. Zweifelt eine Seite an den Fähigkeiten der anderen Seite, wird dies zu unterschiedlichen Interpretationen in der Erziehungsarbeit am Kind führen. Wichtig ist aus Sicht der Tagespflege, dass die Eltern sich an Grundregeln des Tagesablaufs halten. Primär wichtig ist eine hohe Präsenz des Kindes in der Tagespflege sowie die pünktliche Abgabe, damit der weitere Tagesablauf reibungslos beginnen kann und nicht immer wieder durch verspätet eintreffende Kinder gestört wird. Ebenso wünschenswert ist es, dass die Eltern die Tagespflegeperson über das Kind belastende Umstände aufklären, damit dies in der täglichen Arbeit mit dem Kind dann sinnvoll eingeordnet werden kann. Diese Informationen bedürfen aber einer grundlegenden Vertrauensbasis.
Um genau dieses Vertrauen zu schaffen findet das Erstgespräch zwischen Eltern und mir in den Räumlichkeiten der Tagespflege statt. Die Besprechung des Vertrages findet bei einem zweiten Treffen dann in der Regel bei der Familie statt. Dies ermöglicht mir einen Einblick in die Wohnverhältnisse des Kindes. Grundsätzlich stehe ich den Eltern auch außerhalb der Betreuungszeiten als Ansprechpartner zur Verfügung. Dieses enge Verhältnis zu den Eltern ist notwendig, da erst auf einer gemeinsamen Basis die Möglichkeit besteht Schwierigkeiten zielgerichtet und im Sinne des Kindes anzusprechen.
Zur weiteren Vertiefung der Beziehung zu den Eltern, aber auch der Eltern untereinander findet in der „Bienchenbande“ einmal im Monat freitags im Nachmittag ein Elterncafé statt.

8. Partizipation von Kindern

Partizipation von Kindern nimmt in der heutigen Gesellschaft einen immer größer werdenden Stellenwert ein. Die Rolle des Kindes hat sich gewandelt. Gerade in Bildungseinrichtungen wird verstärkt Wert auf die Partizipation der Kinder am Tagesablauf gelegt.
In der „Bienchenbande“ wird nach diesem Prinzip gelebt. Die Kinder werden in die verschiedenen Bereiche des Tagesablaufs eingebunden. So besteht beispielsweise die Möglichkeit, beim Decken des Tisches für Frühstück oder Mittagessen mitzuhelfen. Ebenso können die Kinder entsprechend ihrer bereits erworbenen Fähigkeiten bei der Zubereitung des Mittagessens helfen. Ansonsten haben die Kinder die Möglichkeit entsprechend ihrer eigenen Wünsche und Bedürfnisse den Tagesablauf zu gestalten.

9. Tagesablauf

Abgabe der Kinder in der „Bienchenbande“ erfolgt zwischen 07.00 Uhr und 8.30 Uhr. Eine frühere Abgabe der Kinder ist nach vorheriger Absprache mit den Eltern möglich. Eine spätere Abgabe als 8.30 Uhr sollte in der Regel vermieden werden. Während der Übergabe erfolgt ein kurzes Gespräch zwischen mir und den Eltern, indem wichtige für den Tag relevante Dinge besprochen werden können. Bis alle Kinder anwesend sind haben die bereits anwesenden Kinder die Möglichkeit „anzukommen“, d.h. schon einmal zu spielen, zu malen oder sich mit anderen Dingen zu beschäftigen. Um 9.00 Uhr wird der Tisch eingedeckt und das Frühstück vorbereitet. Hierbei können die Kinder jederzeit gerne mithelfen. Im Anschluss daran wird gemeinsam gefrühstückt, wobei wir uns alle einen guten Appetit wünschen. In der Phase nach dem Frühstück bis zur Zubereitung des Mittagessens unterbreite ich den Kindern Angebote, was wir gemeinsam unternehmen können. Das kann z.B. Fenstermalerei, Malen im Allgemeinen, Basteln, Klötze bauen, Bücher anschauen und vieles mehr sein. Wichtig ist mir hierbei, dass kein Kind gezwungen wird etwas zu machen, auf das es keine Lust hat.
Ab 11.30 Uhr wird das Mittagessen vorbereitet, so dass wir dann gemeinsam um kurz nach 12 Uhr essen können. Die Kinder, die im Anschluss einen Mittagsschlaf machen möchten, können diesen dann im Schlafraum machen.
Um den Kindern die Natur näher zu bringen, verbringe ich grundsätzlich viel Zeit außerhalb der Räumlichkeiten. Dies kann auf dem Spielplatz sein, ein gemeinsamer Ausflug in den Wald oder der Besuch des Horremer Bauernhofes sein.
Späteste Abholung der Kinder ist um 17 Uhr, wobei es auch hier Einzelfallregelungen nach vorheriger Absprache mit den Eltern geben kann.
Grundsätzlich richtet sich das Programm im Tagesablauf immer nach der Anzahl der anwesenden Kinder sowie den Rahmenbedingungen wie z.B. Wetterlage und Schlafbedürfnis der Kinder.

Liebe kann man lernen. Und niemand lernt besser als Kinder. Wenn Kinder ohne Liebe aufwachsen, darf man sich nicht wundern, wenn sie selber lieblos werden.
(Astrid Lindgren)